Entstehung und Grundstein des Gemeinehauses

Die Entstehung des Gemeindehauses

Christen brauchen Räume, um sich zu versammeln. Dazu genügte viele Jahrhunderte die Kirche und der Pfarrsaal in dem der kirchliche Unterricht abgehalten wurde und sich die Gemeindekreise trafen. Gegen Ende der 1960er Jahre entsprach  dies aber längst nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Deshalb stand seit dem Bau des neuen Kindergartens im Jahre 1967 das Thema "Gemeindehaus" als wiederkehrender Tagesordnungspunkt in den Sitzungen des Kirchengemeinderats.

 

Viele langwierige Verhandlungen mit dem Evangelischen Oberkirchenrat, der Gemeindeverwaltung und privaten Grundstücksbesitzern folgten, etliche Standorte wurden geprüft. Endlich konnte mit Hilfe des Oberkirchenrates die Pfarrgutsverwaltung das Grundstück des seitherigen Bauhofs an der Reblandstraße mit seiner Nähe zur Kirche von der bürgerlichen Gemeinde erwerben und der Kirchengemeinde zum Bau eines Gemeindehauses zur Verfügung gestellt werden.

 

Nach Besichtigung verschiedener neuer Gemeindehäuser entschied sich der Kirchengemeinderat für den Architekten Gerhard Keller, Süssen/Fils. In gemeinsamen Aussprachen und Verhandlungen zwischen Oberkirchenrat, Architekt und Kirchengemeinderat wurde das Bauvorhaben, die Raumplanung und die Finanzierung durchgesprochen.

 

Nachdem der Bauhof in sein neues Domizil umgezogen und die Scheune abgebrochen war, konnte im Juni 1990 mit dem Ausheben der Baugrube begonnen werden. Die Grundsteinlegung fand am 14. Oktober 1990 in Verbindung mit dem Erntedankfest statt und am 14. Dezember 1990 nach unerwartetem Wintereinbruch das Richtfest.

 

Nach eineinhalbjähriger Bauzeit wurde das Evang. Gemeindehaus schließlich am 1. Dezember 1991, dem 1. Advent, eingeweiht.

 

Der Grundstein

 

Als der Kirchengemeinderat über den Text der Inschrift zu entscheiden hatte, war klar: Es sollte in Wort sien, das als Leitwort über diesem Hause und all dem, was hier geschieht steht. Es sollte ein Wort sein, das klar und griffig und einleuchtend ist. Ein Wort, das stets aktuell ist und Impulse vermittelt für unser Miteinander. Ein Wort, das herausfordert, aber auch Zuspruch vermittelt. So entschied man sich für das Wort des Apostels Paulus aus dem Römerbrief.

 

Ehe man das Gemeindehaus durch den Haupteingang betritt, sieht man den Grundstein. Im offenen Bereich des Zugangs in Augenhöhe eingelassen, spricht er den Besucher an:

 

"Nehmt einander an,

wie Christus euch angenommen hat

zu Gottes Lob".

 

Nehmt einander an. Dieses Wort spricht hinein in unsere persönlichen Beziehungen in denen wir leben: in unsere Ehen und Freundschaften, in unser Eltern- oder Kindsein; es meint den Kirchengemeinderat ebenso wie die Mitarbeiterkreise, jung und alt, meint in ökumenischer Weite Christen in verschiedenen Traditionen und Konfessionen.

 

Wie Christus euch angenommen hat. Die Gemeinde am Ort soll eine Gemeinschaft sein, in der Menschen mit ihren Glaubens- und Lebensfragen sich angenommen wissen - in der es dem Einzelnen leichter wird zu glauben, zu leben und zu danken.

 

Wer den Grundstein anschaut, wird entdecken, dass Steinmetzmeister Andreas Schlatterer die Schrift so angeordnet hat, dass in der Mitte, im Zentrum das "t" im Christusnamen als Kreuz gestaltet ist. Das Kreuz, ein kleines aber bedeutsames Zeichen - Zeichen für das Leiden Jesu, aber auch Zeichen für seine Gegenwart und seinen Trost inmitten einer zerrissenen Welt. Daran sollen wir erinnert werden, wenn wir hier vorbeigehen, wenn wir das Gebäude betreten. Es ist ein Zeichen, dass Gott an uns festhält. Es liegt ein Trost darin, Hoffnung und Verheißung. Und dann, in der Nähe des Kreuzes, ja unter dem Kreuz die Worte: Zu Gottes Lob.

 

Im Evangelischen Gesangbuch stehen Lob- und Danklieder häufig neben Liedern, die die Not und das Angefochtensein beschreiben. Beides sind Glaubenserfahrungen. Das eine schließt das andere nicht aus. Dass wir nicht blind werden für die Gaben Gottes, daran will dieses Wort erinnern und Mut machen zu einer dankbaren Lebensgestaltung.

 

 

Aus der Festschrift zur Einweihung des Evang. Gemeindehauses am 1. Dezember 1991