Was tragen PfarrerInnen im Gottesdienst? – Talar und Mantelalbe

Talar mit Beffchen

Per Verordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. wurde am 01.11.1811 verfügt, dass in ganz Preußen die reformierten und die lutherischen Pfarrer, aber auch die Rabbiner und Richter den schwarzen Gelehrtentalar zu tragen hätten. Seit dieser Zeit hat sich der schwarze Talar als Kleidung des evangelischen Pfarrers durchgesetzt. Er betont den Pfarrer als Prediger und Lehrer und mit der Farbe schwarz die Ernsthaftigkeit und Würde seines Dienstes. Zum schwarzen Talar gehört das weiße Beffchen als Rest eines Rundkragens, der den Mantel ursprünglich vor dem Staub der Perücken schützte.


Diese Verordnung des preußischen Königs ist der Grund, warum wir jeden Sonntag in vielen evangelischen Kirchen in Deutschland die evangelischen Pfarrer und Pfarrerinnen in schwarzem Talar den Gottesdienst feiern sehen. Doch das ist eine deutsche Erscheinung. Schon in den überwiegend evangelischen Ländern Schweden und Norwegen sieht es anders aus, in der anglikanischen Kirche erst recht und schon gar in Afrika.

 

Zunehmend wird auch in Deutschland und bei uns in der württembergischen Landeskirche die Mantelalbe und die Stola als gottesdienstliches Kleidungsstück wiederentdeckt. Seit einigen Jahren dürfen sowohl die Prädikanten als auch die Pfarrer und Pfarrerinnen die Mantelalbe im Gottesdienst tragen - sofern dies durch den Kirchengemeinderat genehmigt wird. Der Kirchengemeinderat in Neckarwestheim hat das in seiner Sitzung am 17.10.2011 genehmigt, weswegen Sie die Mantelalbe mit Stola zu besonderen Gelegenheiten im Gottesdienst sehen werden.

Mantelalbe mit Stola

Die Mantelalbe entwickelte sich aus dem aus dem antiken Straßenanzug, dem Kleidungsstück, das alle trugen und wurde seit dem 6. Jahrhundert im Gottesdienst getragen. Sie reicht bis zu den Knöcheln, ist weit geschnitten und weiß. Sie kann in unserer evangelischen Kirche von Prädikanten und Pfarrern und Pfarrerinnen getragen werden. Die Stola, die in der Farbe des Kirchenjahres über der Mantelalbe getragen wird, symbolisiert den Dienstcharakter des kirchlichen Amtes, das leichte Joch Christi (Mt 11,29f). Sie wird nur von den Pfarrern und Pfarrerinnen getragen.


Mit ihrer weißen Farbe verweist die Mantelalbe auf Christus, das Licht der Welt (Joh 8,12). Ihn ziehen wir mit der Taufe an (Gal 3,27) und sollen ihn anziehen in einem der Taufe gemäßen Lebenswandel (Eph 5,8; 4,22-24). Aus diesem Grund tragen auch viele Kinder die getauft werden ein weißes Kleidchen. Weiß ist auch die Farbe der Auferstehung: So waren die Engel am Grab mit weißen Gewändern gekleidet (Mt 28,3) und Jesu Kleider wurden bereits in der Verklärungsgeschichte weiß wie Schnee (Mt 17,2). Daran wird erinnert, wenn im Gottesdienst das weiße Gewand getragen wird.

 

 

 

(Der Inhalt dieses Beitrags entstammt in vielem wörtlich einer Vorlesung von Prof. Michael Herbst, Universität Greifswald, Theologische Fakultät)